MGV Einigkeit 1903 Ockenheim e.V.
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Gründungsprotokoll


Aus der Anfangszeit findet man im Protokollbuch nur spärliche Aufzeichnungen zum Vereinsgeschehen. Die Eintragung zur Gründung auf Seite 1 lautet im Wortlaut lapidar:

Männergesangverein „Einigkeit“ Ockenheim,
gegründet am 1. Mai 1903,
Generalversammlung am 3. Mai 1903.
Anwesend waren auf Einladung 22 Mitglieder.

Tagesordnung:
1.Verlesung und Genehmigung der ausgearbeiteten Statuten.
2. Wahl des Vorstandes.
3. Bestellung eines Dirigenten,
4. Festsetzung der nächsten Versammlung.

I. Die Statuten wurden von A. Müller, nachdem er die anwesenden Mitglieder begrüßt, denselben sodann den Zweck und die Ziele des Gesangvereins bekannt gegeben hatte, Paragraph für Paragraph vorgelesen, erläutert und von den anwesenden Mitgliedern genehmigt. Darauf erfolgte die Unterzeichnung derselben.

II. Zum Vorstand wurden gewählt:
1. Joh. Jos. Fleck, Präsident
2. Ph. Jung, Vicepräsident
3. Peter Bungert, Rechner
4. August Müller, Schriftführer
5. Joh. Schäfer und Christ. Steuernagel zu „Controlleuren“

III. Als Gesangslehrer wurden die Herren Wunderle und Förster vorgeschlagen.
Herr Joh. Jos. Fleck und A. Müller wurden beauftragt Rücksprache mit beiden Herren zu nehmen und in der nächsten Versammlung darüber zu berichten.

IV. Die nächste Versammlung wurde für Christi Himmelfahrt bestimmt.

Soweit der Bericht des Schriftführers jener ersten Generalversammlung.

Keine Notiz, warum diese 22 Männer zusammen kamen, um einen neuen Gesangverein zu gründen. Erst im Festbuch zur 25-Jahr-Feier 1928 findet sich ein Hinweis, in dem der Lehrer Wilhelm Grohe in seinem Rückblick auf die zahlreichen Vereinsgründungen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts schreibt: „Überall entstanden nach jenen denkwürdigen Tagen der Freiheitskriege Männergesangvereine, die schon vergessen geglaubte schöne alte deutsche Volkslieder aufgriffen und mit freudiger Hingabe zum Vortrag brachten.“

Damit erklärt er auch in seinen weiteren Ausführungen die Gründung des eigenen Vereins:
Diese Liebe zum Gesang führte auch zur Gründung des Männergesangvereins „Einigkeit“ Ockenheim. Unter dem Wahlspruch
„In Freud und Leid zum Lied bereit - sing rein und klar, sei treu und wahr“!
versammelten sich zu Beginn des Wonnemonats Mai 1903 22 sangesfreudige junge Männer und gründeten einen neuen Gesangverein.

Die Amtsbezeichnung ‚Präsident‘ und ‚Vicepräsident‘ deuten uns Heutigen an, dass damit Autorität und Respekt verbunden waren (Präsident und Vicepräsident gibt es in der Regel heute zwar nicht mehr, heute hat man einen Vorsitzenden und einen stellvertretenden Vorsitzenden).

Respekt und Ordnung fanden ihren Niederschlag auch in den damals verabschiedeten „Statuten“, die man heute Satzung nennt. So heißt es im § 3 u.a.: „Sänger kann jeder werden, der das 18. Lebensjahr vollendet hat und sich eines unbescholtenen Rufes erfreut.“ Der § 7 besagt u.a.: „Der Ausschluss erfolgt, wenn ein Mitglied durch verächtliche Handlungen oder einen unmoralischen Lebenswandel sich des Vereins unwürdig macht, oder wenn er, ohne auf die Mahnungen des Vorstandes zu achten, den Frieden unter den Mitgliedern zu stören sich bemüht.“ Verspätetes Erscheinen in den Singstunden oder eine Störung derselben wurde mit einer Geldstrafe geahndet; mehrmaliges Fehlen hatte den Ausschluss aus dem aktiven Chor zur Folge. Es waren strenge Sitten damals. Wenn manche dieser Formulierungen zur Vereinsgründung, wie auch der Statuten, uns heute zu idealistisch oder überzogen vorkommen, so sollten wir sie dennoch nicht belächeln. Sie waren der Zeit gemäß, so wie z.B. der Begriff des „unmoralischen Lebenswandels“, der damals sicher leichter zu definieren war, als in der heutigen Zeit). Über so manches, was wir heute als „zeitgemäß“ erachten, wird von nachfolgenden Generationen vielleicht auch belächelt.