MGV Einigkeit 1903 Ockenheim e.V.
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Auf dem Weg zum "Hundertjährigen"


Im Mai 1979 trat Joachim Schäfer auf Grund eines berufsbedingten Wohnortwechsels als Chorleiter zurück. In der Folgezeit musste sich der Verein darauf einstellen, dass die oft noch ihre Lebensstellung suchenden jüngeren Berufsmusiker in kürzeren Zeitabständen den Verein wieder verlassen, sobald sich die Möglichkeit einer beruflichen Verbesserung oder einer interessanteren Aufgabenstellung bietet. Das ist leicht daran festzustellen, dass die Anzahl der Dirigenten in den letzten 30 Jahren doppelt so hoch ist wie in den 70 Jahren zuvor. In Reinhard Linden, Musikstudent aus Ingelheim, fand der Verein einen neuen Chorleiter, der sich voller Schwung der Aufgabe annahm, mit dem der Verein in den folgenden Jahren auf Wettstreiten auf Grund intensiver Probenarbeit große Erfolge errang. Der Chor trat auch bald wieder mit Konzerten an die Öffentlichkeit, bei denen qualifizierte Solisten und Musiker namhafter Bühnen mitwirkten, wie beispielsweise der spätere Bayreuther Wagnersänger Wolfgang Schmidt vom Stadttheater Hof. Mit den Ansprüchen stiegen natürlich auch die Kosten, die nur durch Geld- und Sachspenden der Mitglieder bzw. durch Sonderaktionen, beispielsweise durch Erlöse aus gesponserten Schlachtfesten, gedeckt werden konnten.

Als Reinhard Linden im Januar 1984 überraschend den fünf Vereinen seiner Chorgemeinschaft kündigte, fand der Chor erst nach mehreren Anläufen in Wilhelm Ochs aus Wiesbaden einen Nachfolger, von dem sich der Verein aber schon nach einem Jahr wieder trennte. In dem dadurch entstandenen Interregnum hat Bruder Ulrich, Organist des Klosters Jakobsberg und Dirigent des Katholischen Kirchenchores, wie schon öfter bei gegebenen Anlässen, als „Nothelfer“ den Chor dirigiert. Mit dem im April 1985 verpflichteten temperamentvollen Vollblutmusiker Rudolf Schmidt, Musikdirektor FDB, verstanden sich die Sänger auf Anhieb, und gleich bei dem ersten gemeinsamen Auftreten wenige Wochen später errang der Chor in Sulzheim den 1. Klassenpreis, 1. Ehrenpreis, Höchsten Ehrenpreis und Dirigentenpreis. Ein guter Einstand, ein Erfolg, der sich beim nachfolgenden Wettstreit in Selzen wiederholte, Aufmunterung zur rechten Zeit, Verdienst des Chorleiters, dem man nicht nur großes Können, sondern auch eine Arbeitsweise bescheinigte, die den Sängern Spaß machte und die nach kurzer Zeit zu einer wesentlichen Leistungssteigerung geführt hatte. Die von ihm veranstalteten Chor- und Solistenkonzerte zeichneten sich durch ein hohes Niveau aus.

Zum Jahresbeginn 1990 wurde dem Verein die Turnhalle, die 25 Jahre als Vereinslokal gedient hatte, wegen Eigenbedarfs gekündigt. Mangels anderer Möglichkeiten stellte die Ortsgemeinde dankenswerter Weise einen Saal im Rathaus als Übungslokal zur Verfügung, wohin man leider jedoch den vereinseigenen Flügel nicht mitnehmen konnte, er wurde an den Dirigenten verkauft. Der Chor stellte sich rasch auf die neue Situation ein, zumal in dem nicht bewirtschafteten Rathaus die „Nachsitzung“ in eigener Regie problemlos sichergestellt wurde.

Im Oktober 1990 kündigte Rudolf Schmidt, der vor geraumer Zeit nach Ludwigshafen umgezogen war, das Ende seiner Tätigkeit an, erklärte sich aber trotz der weiten Anfahrt bereit, den Chor bis zur Findung eines neuen Dirigenten zu betreuen. So wurde der Übergang zu seinem Nachfolger Rudolf Berg nahtlos vollzogen. Letzter gemeinsamer Auftritt mit Rudolf Schmidt war im Januar 1991 der Gedenkgottesdienst, der seit Jahrzehnten alljährlich am ersten Sonntag nach Neujahr den Verstorbenen des Vereins gewidmet ist. Sänger und Dirigent trennten sich im besten Einvernehmen, denn es war eine gute Zusammenarbeit gewesen, die viel Freude gemacht hat.

Zeitgleich wurde der Verein durch den plötzlichen Tod seines Vorsitzenden Josef Schäfer erschüttert, mit dessen Ableben der MGV „Einigkeit“ bereits zum dritten Mal nach Heinrich Bungert und Paul Mährle seinen amtierenden Vorsitzenden verlor. Als Nachfolger wurde der erfahrene langjährige Zweite Vorsitzende Jakob Bauer gewählt.

Neben den im Zeitablauf jahresüblichen Veranstaltungen feierte der Verein im November 1993 das 90-jährige Bestehen mit einem Liederabend, gewissermaßen auch als Schlusspunkt der Zusammenarbeit mit Rudolf Berg, der Anfang Januar 1994 kündigte. Seine Position übernahm Thomas Lehnen, Leiter einer Musikschule, der im gleichen Jahr mit einem Konzert, einem Kirchenkonzert und der Teilnahme an einem geistlichen Kreischorkonzert Akzente setzte, die dem Chor Auftrieb gaben. Das Leistungsvermögen, die gute Präsentation in der Öffentlichkeit und eine intensive Werbeaktion, bei der sich das Vorstandsmitglied Friedel Krick mittels gezielter

persönlicher Ansprache große Verdienste erwarb, führte in kurzer Zeit zu einem Plus von zwölf aktiven Sängern. Dadurch konnten die altersbedingten und durch Todesfälle verursachten Ausfälle mehr als ausgeglichen werden. Nach drei Jahren verabschiedete sich Thomas Lehnen wieder, für ihn kam mit Sergej Schmidt ein junger agiler Musiker - Absolvent des Konservatoriums in Nowosibirsk und der Glinka-Chorschule in St. Petersburg wie auch des Peter-Cornelius-Konservatoriums der Stadt Mainz -, der durch sein fachliches Können, sein bestimmtes, aber jederzeit umgängliches Auftreten die Sänger zu motivieren versteht, der sich bei vereinsinternen gesanglichen wie auch geselligen Veranstaltungen wie auch bei externen Auftritten des Chores bewährt hat.

Der von ihm im April 1999 initiierte Besuch einer Klasse der Glinka-Chorschule St. Petersburg, vom Verein durch Unterbringung in Gastfamilien ermöglicht, war mit der Veranstaltung mehrerer Konzerte in Ockenheim, Ingelheim, Mainz und Bad Kreuznach ein besonderes Ereignis im Vereinsleben der „Einigkeit“ und eine Demonstration sangesbrüderlicher internationaler Völkerverständigung.

Als Jakob Bauer nach zehnjähriger erfolgreicher Amtsführung als Vorsitzender zurücktrat, wählten die Mitglieder, auch im Hinblick auf den Übergang in das zweite Jahrhundert der „Einigkeit“ mit Armin Schäfer einen Vertreter der jungen Generation in diese Position.

Neben seiner satzungsgemäßen Zielsetzung, den Chorgesang als kulturelle Gemeinschaftsaufgabe zu pflegen und zu erhalten, ist der MGV „Einigkeit“ im öffentlichen Leben seiner Gemeinde mit der gesanglichen Umrahmung kommunaler und kirchlicher Feste wie auch der örtlichen Vereine in vollem Umfang eingebunden, um seinen kulturellen und gesellschaftlichen Beitrag innerhalb der örtlichen Gemeinschaft zu erfüllen, ohne den das gemeindliche Leben sehr viel ärmer wäre. Vereinsintern hat natürlich die Pflege der Geselligkeit mit allen möglichen Veranstaltungen (Familienabende, Wandertage, Ausflugsfahrten, Grillfeste (u.v.a.m.) als wichtige Grundlage eines gut funktionierenden Vereinslebens einen hohen Stellenwert. Dass darüber hinaus runde Geburtstage und Ehejubiläen mit einem Ständchen gewürdigt werden, ist ebenso selbstverständlich wie auch die Teilnahmen an den Trauerfeiern für die verstorbenen Mitglieder des Vereins.

Von der derzeitigen Situation ausgehend darf man von der amtierenden musikalischen und administrativen Vereinsleitung erwarten, dass sie das Erbe der Vereinsgründer in Ehren hält und bewahrt und den Verein mit Tatkraft, Mut und Beharrlichkeit auch über das "Hundertjährige“ hinaus auf gesanglich hohem Niveau in eine gute Zukunft führt. Dass die Sänger und ihr Chorleiter dazu willens und in der Lage sind, haben sie überzeugend unter Beweis gestellt. Aufgrund ihrer Leistungsbereitschaft und ihres Könnens hat der Chor des MGV „Einigkeit“ das hohe Anforderungen an die Sänger und den Chorleiter stellende dreistufige Bundesleistungssingen erfolgreich bestanden, so dass ihm beim Meisterchorsingen am 10. November 2002 in Koblenz der Titel „Meisterchor des Sängerbundes Rheinland-Pfalz“ verliehen wurde. Damit haben die Sänger sich selbst und ihrem Verein zum 100-jährigen Jubiläum das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht, ein Erfolg, auf den die „Einigkeit“ zu Recht stolz sein darf.