MGV Einigkeit 1903 Ockenheim e.V.
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1946 - Die Auferstehung - ora et labora

Beten, das hatte man im Laufe des Krieges ja schon wieder gelernt und nun, nach dem chaotischen Ende, ging es an die Arbeit: Wiederaufbau hieß die Devise. Nachdem die französische Militärregierung Ende 1945 die „Wiederherstellung des Vereinsrechts“ verfügt hatte, regten sich auch in der „Einigkeit“ wieder die Lebensgeister. Die früheren Vorstandsmitglieder Georg Bungert, Joseph Fleck und Heinrich Schäfer richteten im Februar 1946 ein Gesuch an den französischen Delegierten in Bingen zwecks Neugründung des MGV „Einigkeit“ 1903 Ockenheim – fünffache Ausfertigung erforderlich, Französisch und Deutsch, befürwortet von Bürgermeister, Pfarrer und Landrat. Nach Genehmigung des Antrags wurde die Gründungsversammlung zum 12. Mai 1946, ein Jahr nach Kriegsende, einberufen. 33 Anwesende haben sich spontan als Sänger eingetragen. Nur wenige Tage danach wurde die Gesangstätigkeit unter dem seitherigen Chorleiter Vincenz Helmerich wieder aufgenommen.

Das erste Auftreten des neu formierten Chores am Neujahrstag 1947 war ein viel bejubelter Neuanfang, und da man gleichzeitig auch wieder, wie früher üblich, an Neujahr und am folgenden Sonntag eine Operette und ein Lustspiel aufführte, konnte man zugleich eine Anzahl dort mitwirkender Jugendlicher an den Verein binden und als Sänger gewinnen. Ein viel versprechender Start. Die anspruchsvollen Chor-, Instrumental- und Solistenkonzerte der folgenden Jahre, wie auch die geselligen Veranstaltungen führten zu einem begeisterten Mitmachen und damit auch zu zahlreichen Neueintritten. Als der seit 30 Jahren amtierende Vorsitzende Georg Bungert 1949 aus Altersgründen von seinem Amt zurücktrat – Heinrich Bungert wurde zum Nachfolger gewählt – standen dem Chorleiter 55 Sänger zur Verfügung.

Immer wieder stößt man in den Protokollen dieser Jahre auf den Namen der Kapelle August Kleisinger aus Gau-Algesheim, einem Ensemble exzellenter Musiker. Ob Konzert, Operette, Familienabend oder Tanzkapelle, sie waren immer dabei, erstmals beim Konzert am 8. Juni 1947, und weil der Nachholbedarf nach der langen Phase aufgezwungener Ruhe groß war, in kürzeren Abständen noch im gleichen Jahr wie auch in den Folgejahren. Als Reminiszenz an die wieder aufgenommene Tradition der Theateraufführungen sei hier beispielhaft die am Neujahrstag 1948 in erstklassiger Rollenbesetzung gespielte Operette „Winzerprinzessin Rosemarie“ genannt, unter der Spielleitung des Chorleiters und musikalischer Begleitung der Kapelle Kleisinger. Im Protokollbuch ist dazu notiert: „Der ersten Aufführung folgten fünf weitere Vorstellungen bei fast überfülltem Saal. Die Gäste kamen aus allen Ortschaften der Umgebung, selbst aus Bingen und Gau-Bickelheim.“ Erwähnenswert ist auch das Konzert vom 6. Mai 1948, als Erich Ney,der Pianist der Kapelle Kleisinger,in der Pause das „Ockenheimer Lied“ mit dem Publikum einübte, das er, wie der damalige Schriftführer im Protokollbuch dokumentiert, eigens für den Verein getextet, komponiert und ihm gewidmet hat. Das war die Uraufführung des heute so bekannten und von allen und bei allen Gelegenheiten gesungenen Liedes.

Nochmals gab es ein vorerst letztes protokolliertes zeitgeschichtliches Merkzeichen: Der für Juli vorgesehene Familienabend wurde auf Grund der Währungsverhältnisse abgesagt; die Vereinstätigkeit hatte sich jedoch stabilisiert, und man traf erste Vorbereitungen für das Goldene Vereinsjubiläum im Jahr 1953.