MGV Einigkeit 1903 Ockenheim e.V.
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1919 - Neubeginn

Neubeginn


Mit der nach fünfjähriger Zwangspause im Oktober 1919 einberufenen ersten Mitgliederversammlung nach dem Krieg begann eine neue Ära. Als Dirigent gewann der Verein den nach Ockenheim versetzten Lehrer Vincenz Helmerich. Er war ein hervorragender Pädagoge und Musiker, der den Chor mit straffer Hand bald zu neuer Blüte führte und erst nach 36 Jahren erfolgreicher Tätigkeit den Dirigentenstab aus der Hand legte.

Für den am 1. Januar 1920 aus Altersgründen zurückgetretenen Präsidenten Johann Jos. Fleck, der zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde, wurde Georg Bungert zum 1. Vorsitzenden gewählt, der dieses Amt bis zum Jahr 1949 wahrnahm. Da der Verein aufgrund der langen Pause – in der Kriegszeit wurden keine Beiträge erhoben – über keinerlei finanziellen Mittel mehr verfügte, wurde mit Neubeginn eine Spendenliste aufgelegt. Mit deren Zeichnung – 375 Mark opferten die Aktiven, 129 Mark die Inaktiven – war der Grundstock für kommende Planungen gegeben.

Die regelmäßigen Singstunden wurden wieder aufgenommen, das Vereinsleben stabilisierte sich. Die erste Sängerfahrt führte 1921 nach Mainz, wo der Chor die noch immer schwer verwundet im Lazarett liegenden Kriegsteilnehmer mit Liedvorträgen und Körben voller Liebesgaben aufmunterte.

Neben der schwerpunktmäßigen Pflege deutscher Volkslieder und Volksweisen wurden nun vermehrt auch anspruchsvolle Chorwerke einstudiert, mit denen sich der Verein in den Folgejahren auf den alljährlich besuchten Wettstreiten – erstmals schon 1922 in Nieder-Olm – dem Leistungsvergleich mit anderen Vereinen erfolgreich stellte; Erfolge, die dem aktiven Chor zahlreiche Neueintritte bescherten.

So konnte auch die turbulente Zeit der Inflation dem florierenden Vereinsleben nichts anhaben, wenn auch dem Kassierer zweifellos manchmal die Schweißtropfen auf der Stirn gestanden haben mögen, wenn er, wie im Kassenbuch verzeichnet ist, 1923 die astronomischen Zahlen eines Familienabends – 16 500 Milliarden Mark an Einnahmen und 11 500 Milliarden Mark an Ausgaben verbuchte. Dem Vereinsdiener wurden 5 000 Mrd. Mark ausgezahlt, wahrscheinlich als Salär für die den Mitgliedern zugestellten Einladungen. Doch das Leben normalisierte sich alsbald wieder und bereits 1924 wurde der große Wunsch des Chorleiters erfüllt: „Eine sich gerade bietende Gelegenheit machte den Verein für 700 Mark zum Besitzer eines schönen Flügels.“ Er ermöglichte dem Dirigenten nicht nur eine bessere Probenarbeit, sondern war vor allem für die Konzert-, Singspiel- und Operettenaufführungen das ideale Begleitinstrument.

Nach der wenig Abwechslung bietenden tristen Nachkriegs- und Inflationszeit schlossen sich viele junge Männer dem Verein an, um die Freizeitmöglichkeiten zu nutzen, die der Verein ihnen mit den regelmäßigen Singstunden, den Bällen und Familienabenden, den 1927 erstmals veranstalteten Kappensitzungen, vor allem aber auch mit dem Besuch auswärtiger Sängerfeste bot.

Als 1928 das silberne Jubiläum gefeiert wurde, verzeichnet das Festbuch die stattliche Zahl von 53 aktiven Sängern, Beweis einer erfolgreichen Vereinstätigkeit.